Text: Götzendämmerung

Ian Wharton lag in den schmutzigen Sträuchern, die das östliche Ende der Wormwood Scrubs säumen. Es war erst neun Uhr dreißig vormittags, aber der Spätsommertag war vorzeitig gealtert und stöhnte unter der Hitze. In der Richtung, in die er sah, ondulierte die rissige Erde zum Gefängnis hin, nur zwischen den nicht mehr benutzten Torpfosten stieß daraus ein knotiges Gewächs hervor. Ian stützte sich auf die Ellbogen, drehte den Kopf und sah von seiner Enklave zur entfernten Ecke der Scrubs hinüber. Dort, in der Ellbeuge der Straße, in der Nähe der Eisenbahnbrücke, stand ein verfallenes Haus. In dem hatte Ian die Nacht verbracht. Das Haus war ursprünglich für einen Parkwächter gedacht gewesen, der in den Scrubs gearbeitet hatte. Es war ein solides Steinhaus, mit drei Schlafzimmern, Rauh- putz an den Wänden, rhombengemusterten Mittelpfosten in den Fenstern und grünen Schlusssteinen über den Türen. Das Haus gehörte zu seinesgleichen in eine ruhige Vorstadtsiedlung. Seine Vertreibung in diesen heruntergekommenen Winkel der städtischen Steppe hatte es kaum verdient. Ian war bei Einbruch der Nacht zu dem Haus gekommen – mit Fucker Finch Pitbull, den er an den Falten seines dicken Halses hinter sich herzerrte. Er hatte die Spanplatte von der Vordertür weggerissen und war in die modrige Wärme eingedrungen. Das Haus war leer bis auf die Hinterlassenschaften von Insekten und Nagern. Die Wände waren Kunstwerke des Verfalls; Tapete schälte sich von Tapete, Bahnen mit Rosen, Bahnen mit Streifen. Hier und dort hatten jugendliche Nichtsnutze mit Magic Markers und verkohlten Stöckchen ihre Zickzack – Graffiti aufgemalt.                 Teil 1


Ian ging von Zimmer zu Zimmer und zerrte den großen schwarzen Hund hinter sich her. Sooft er ihn zu beißen versuchte – und das war oft -, strafte er ihn einfach, aber wirkungsvoll mit einem mächtigen Fausthieb auf seinen Eisenschädel. Die ganze Nacht lang hatte Ian den Hund gequält. Er brannte ihn mit Streichhölzern, die er vor seinen Augen entzündet hatte. Er stach und kratzte ihn mit alten Zimmermannsnägeln, die er in den Winkeln des Hauses gefunden hatte. Er sperrte ihn in leere Schränke, wo der Hund sich anpinkelte vor Angst, und wenn er ihn dann wieder herausließ und er, geifernd und voll der frischen Energie schnellen Vergessens, seinen Peiniger ansprang, prügelte Ian ihn erneut, bis er sich unterwarf. Prügelte ihn mit mächtigen Schlägen auf Kopf und Schultern, Schlägen von unnatürlicher Kraft. Der Hund musste über siebzig Kilo gewogen haben. Seine straffen, gewölbten Schultern waren bepackt mit Muskelsträngen; und wenn er aufschrie, jaulte vor viehischern Unverständnis angesichts dieses Schmerzes, dieser Gemeinheit, drangen seine Schreie durch Mark und Bein. Als dann die Stadt ihre Spielzeugautos wegräumte und sich zur Ruhe legte, begann Ian sich Sorgen zu machen, dass ein später Spaziergänger – oder ein Wichser von einem Polizisten, der auf das erkaltende Fleisch der Pflasterschläfer eindrosch – den Hund hören konnte. So wartete er und lauschte, lauschte auf die Züge, lauschte, wie das Flüstern knirschenden Metalls langsam zu einem Heulen wurde, dann auf den ohrenbetäubenden Tonhöhenwechsel, wenn die Züge über die Brücke knapp hinter dem verfallenen Haus donnerten, bevor sie kreischend im Rachen von Wilsden Junction verschwanden.                 Teil 2


Ian begann ihre Ankunft abzupassen und benutzte sie, um den Lärm seiner Aktivitäten zu überdecken. So drangsalierte er den Hund, als wäre er ein Spion oder Agent, den er brechen musste, und gab ihm die Zeit zwischen den Zügen, um zu überlegen, ob er sagen sollte, was der Mensch wissen wollte, ob er sein Schweigen brechen und seine Gattung verraten sollte. Bei Tagesanbruch hatte er den Hund, der inzwischen blind und von Sinnen vor Schmerzen war, aus dem Haus und ins Gebüsch geführt. Dort hatten sie drei Stunden lang beieinander gelegen, und während der Hund langsam starb, hatte Ian seinen fleischigen Atem genossen. Nun entlastete er seine Ellbogen und drückte Brust und Bauch in das zertrampelte, vertrocknete Gras. Er saugte am Penis des Pitbulls, einer knotig knorpeligen Seegurke, die er mit einer Mischung aus Saugen und Lippenbewegungen in den Mund zog und wieder hervorschob. Der Penis war vom Hund abgetrennt. Es war eine friedliche Szene. Die rosa Spitze des Hundepenis glitt aus Ians Mund und trat zugleich aus seiner schwarzen Vorhaut hervor, so dass der Bewegungsablauf eine zweite mechanische Phase bekam, als wäre der Penis ein Kolben und Ians Mund der Zylinder. Der Pitbull selbst lag auf dem Rücken etwa zwanzig Meter entfernt, tiefer im Gebüsch versteckt. Ian hatte ihn nach dem Verenden ausgeweidet und seine Gedärme lagen wie verwickelte graue Würste im trockenen Gras. Im Tod waren der fleischige Hals und die mächtigen Backen erschlafft, sie hingen nach unten, als würde das Tier vor Entrüstung über dieses würdelose, unkriegerische Ende die Zähne blecken.          Teil 3